Hallo liebe LeserInnen,

um meine eigene Identität zu schützen, sind sämtliche Namen und Städte die ich nenne, erfunden. Keinesfalls aber das, was ich sage. Mir ist es wichtig, hierbei ehrlich zu sein und euch meine Erfahrungen nahe zu bringen, denn als ich in der Situation war, am Überlegen war, wirklich den Schritt zu wagen, vor meiner Familie, bei der ich mich doch immer geborgen gefühlt habe, sicher, vor meiner geliebten Familie wegzulaufen, habe ich genau so einen Bericht wie diesen gebraucht. Wenigstens einen einzigen, bei der ein Mädchen von ihren Sorgen und Ängsten in so einer ähnlichen Zeit schreibt oder ihre Erfahrungen, was sie gemacht hat, um wieder einigermaßen na ja „normal" leben zu können...

Ich hatte nicht wirklich die Möglichkeit, zu recherchieren, ich hatte nur heimlich mal das Internet zur Verfügung, auch nicht lange. Wirklich gefunden habe ich nichts, schlimmer noch! Ich habe zahlreiche Artikel gelesen, in denen stand, dass so und so viele Mädchen für die Ehre umgebracht wurden. Das hat mir nicht wirklich Mut gemacht...

Aber genau deswegen schreib ich ja jetzt diesen Blog, um euch Mut zu machen, denn es gibt ein Leben außerhalb der Familie und obwohl die liebe Familie immer wieder betont, dass man alleine wahrscheinlich eh nicht leben kann und alle Menschen nur schlecht zu einem sein werden, kann ich euch beruhigen und aus eigener Erfahrung sagen, dass es einfach nicht stimmt. Natürlich kenne ich eure Familienstruktur nicht so genau, aber in einem sind sich die Kulturen doch ähnlich: Mädchen haben die Ehre der ganzen Familie zu tragen und genau dafür werden sie mit einer strengen Erziehung vorbereitet.

Vielleicht doch ein paar Daten über mich: Ich bin ein 19 Jahre altes albanisches Mädchen, das zwar nicht hier in Deutschland geboren, aber groß geworden ist und somit immer so hin- und her gerissen war zwischen der modernen ich sag mal „deutschen" Welt und na ja meinem eher konservativen Familienleben.

Ich muss sagen, ich hatte gar keine so strenge Erziehung. Ich durfte mal bei Freundinnen übernachten, lange draußen bleiben, Ausflüge machen, eigentlich durfte ich ziemlich viel, meine Erziehung war wirklich relativ frei. Solange ich den äußeren Schein bewahren konnte: ein so nettes Mädchen, die sehr gut in der Schule und für alle ein Vorbild ist. Ich war wirklich beliebt in der Familie...

Ganz so harmonisch, wie es jetzt zu scheinen vermag, war es natürlich nicht, ich habe mich oft mit meiner Mutter gestritten, sie fand meine „viel zu westliche" Lebensweise. Außerdem musste ich oft tausendmal fragen, bis ich auch mal was durfte! Aber naja das ist eine andere Geschichte.