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Zahl der angezeigten Zwangsheiraten 2017 erneut gestiegen

Altersverteilung der Opfer. Quelle: PKS 2018Am 8. Mai 2018 wurde die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2017 veröffentlicht. Die Statistik liefert unteranderem auch Auskunft über die Zahlen bezüglich Zwangsheirat nach §237 StGB. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 75 Fälle von Zwangsheirat in Deutschland angezeigt, darunter 44 Versuche. Im Vorjahr lag die Zahl noch bei 67 erfassten Zwangsheiraten und Zwangsheiratsversuchen, 2015 bei 50.

Unter den 81 Opfern gibt es 75 weibliche und sechs männliche Betroffene. 72% der 110 Tatverdächtigen sind männlich.

Die meisten Opfer sind Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren. Es sind aber auch Heranwachsende (18 bis 20 Jahre) und Erwachsene (21 bis 59 Jahre) betroffen. Zusätzlich sind fünf weibliche Opfer jünger als 14 Jahre.

Insgesamt stammen die Opfer aus 16 verschiedenen Ländern. In vier Fällen ist die Staatsangehörigkeit nicht geklärt. 26 Opfer, und somit die meisten, haben die deutsche Staatsangehörigkeit. 16 Opfer stammen aus Syrien, sieben aus dem Irak und jeweils fünf aus dem Kosovo und der Türkei.

In 74% der Fälle haben Opfer und Tatverdächtige eine familiäre Beziehung zueinander. Das heißt, die Eltern, Geschwister, Kinder oder sonstige Angehörige zwingen/zwangen das Opfer zu einer Eheschließung. 14% der Opfer stehen in einer informellen sozialen Beziehung zu den Tatverdächtigen, führen also eine Freundschaft oder (flüchtige) Bekanntschaft. In den restlichen Fällen ist die Beziehung zwischen dem Opfer und den Tatverdächtigen ungeklärt.

In den letzten drei Jahren ist die Zahl der Zwangsheiraten, die polizeilich erfasst wurden, um 50% gestiegen. Das bedeutet nicht automatisch eine Steigerung der Zwangsheiratsfälle. Es ist eher davon auszugehen, dass die Zahl der unbekannten Zwangsheiraten und somit das Dunkelfeld abnehmen. Dies kann als Indiz dafür gewertet werden, dass immer mehr Betroffene sich ihrer (Menschen-)Rechte bewusst werden und sie auch einfordern. Um diese Entwicklung weiterhin zu fördern, fordert TERRE DES FEMMES, dass Aufklärungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen sowie Unterstützungsangebote weiter und dauerhaft finanziert werden.

Stand: 05/2018